Blasorchester TSV Braunshardt

Aus Spaß an der Musik !



Die 50er und 60er Jahre

Vier Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges – vorher haben die alliierten Siegermächte die Blasmusik nicht zugelassen – am 23. Oktober 1949 wurde bei einer Mitgliederversammlung beschlossen, den Spielmannszug neu zu gründen.

Von dem früheren Spielmannszug bis 1939 waren noch 7 Spielleute zusammen mit neun Jugendlichen bereit, mit Trommeln und Pfeifen, die noch bei alten Spielleuten vorhanden waren, die Übungsarbeit wieder aufzunehmen. Martin Jung wurde mit den Proben für die Trommler beauftragt, Leonhard Hoffmann übte mit den Pfeifern. Die Stabführung bei Auftritten hatte Martin Jung.

Dem neu ins Leben gerufenen Spielmannszug gehörten damals folgende Mitglieder an:

Trommler: Georg Bender, Werner Bender, Ernst Nickel, Helmut Schuchmann, Willi Becker und Walter Berck.

Pfeifer: Helmut Jung, Ludwig Forstner jr. und Walter Trapp.

In der Jahreshauptversammlung des TSV am 28. Januar 1950 wurde Martin Jung als Spielmannszugführer in den Vorstand des Vereins gewählt.

Der erste große Auftritt des Spielmannszuges war am 3. Juni 1951 bei der Grundsteinlegung der neuen Schule in der Lindenstraße. 

 Umzug zur Einweihung der heutigen Astrid-Lindgren-Schule am 26.04.1952

Während der 50er Jahre kamen immer mehr junge musikinteressierte Braunshardter zum Spielmannszug um das Pfeifen und Trommeln zu lernen. Eine Sammlung bei den Mitgliedern des Vereins ermöglichte im Jahr 1953 zur Erweiterung des Klangkörpers den Kauf einer Lyra zum damals doch stolzen Preis von 301,53 DM.

Wie auch bei Sportlern üblich, wollte man sich in "Wettkämpfen messen". Diese Möglichkeit bot und bietet bis heute die Teilnahme an so genannten Wertungsspielen bei verschiedenen Verbänden und Organisationen, unter anderem beim Hessischen Turnverband.

Zum ersten Mal nahm der Braunshardter Spielmannszug 1959 an einem Wertungsspielen beim Hessischen Landestreffen der Spielleute in Dauborn teil und konnte mit der erhaltenen Bewertung "Vorzüglich" einen großartigen Erfolg mit nach Hause bringen.

 Umzug Landestreffen Dauborn 1959

Im Hof des "Gasthauses Adler" 1964

Zu Beginn der 60er Jahre wurde aufgrund der Besetzung eine Unterteilung in Spielmannszug und Spielmanns- und Fanfarenzug vorgenommen.

In den Jahren 1961 und 1962 nahmen sowohl die Spielleute und Fanfarenbläser, als auch der Spielmannszug mit sehr gutem Erfolg bei Wertungsspielen in Dudenhofen und beim Landestreffen in Mühlheim/Main teil. Mittlerweile war der Zug auf 30 Spielleute und Fanfarenbläser angewachsen.

Im Jahre 1963 beteiligte man sich erstmals mit neun Spielleuten und Fanfarenbläsern am Deutschen Turnfest in Essen.

1965 nahm der Spielmannszug am Hessentag in Darmstadt teil und erhielt dafür einen Betrag von 200,00 DM, der zusammen mit einer Spende des Vereinswirtes Philipp Bender vom Gasthaus "Zum Adler" zum Kauf eines Basses verwendet wurde.

Spielmannszug beim Umzug am Hessentag 1965 in Darmstadt

Ab Mitte der 60er Jahre kam es durch den Kauf von Posaunen, Tenorhörnern, Trompeten etc. zu einer entscheidenden Wende. Die Umwandlung vom Spielmanns- und Fanfarenzug zum Musikzug wurde vollzogen. Die Umbenennung in "Musikzug" wurde in der Jahreshauptversammlung des TSV am 29.01.1966 beschlossen.

Diese Umstellung brachte es aber nun auch mit sich, dass Noten gelernt werden mussten. Seither spielte Einer vor und die Anderen lernten nach Gehör oder aber nach Grifftabellen! Das mit den Noten war dann aber offenbar manchem Musiker etwas zu viel. Der Musikzug schrumpfte derart, dass öffentliche Auftritte erst einmal nicht mehr möglich waren.

Durch die intensive Probenarbeit und die kontinuierliche Weiterbildung, insbesondere im Hinblick auf die Ausbildung mit Noten, konnte man wieder verstärkt Auftritte wahrnehmen und die öffentliche Präsenz des Orchesters in und um Braunshardt nahm immer mehr zu.

1969 hatte man sich dann wieder soweit regeneriert, dass man in der Lage war, wieder ein Konzert zu geben und an einem Wertungsspielen teilzunehmen und dabei auch gut abschloss.

Apropos Proben oder wie man heute auch gerne sagt "Orchesterarbeit": Darüber gibt es zwischenzeitlich diverse Abhandlungen, sogar wissenschaftliche Untersuchungen, aber – aus Sicht so manches Dirigenten – auch "etwas plumpe" Aussagen! Die bekannteste unter Musikern dürfte wohl sein: "Das Wichtigste ist: zusammen anfangen und zusammen aufhören." (Thomas Beecham 1879-1961, engl. Dirigent).

Bei den Recherchen für diese Chronik, über Musik und Orchester im Allgemeinen, habe ich aber auch eine – wie ich finde – bemerkenswerte und sehr interessante Feststellung des kroatisch-österreichischen Solo-Fagottisten und Dirigenten Milan Turkovic gefunden. In seinem Buch "Was [Berufs-]Musiker tagsüber tun", schreibt er im Kapitel "Wunderwerk Orchester" u. a. Folgendes:

„… Mir fiel während der gesamten Arbeit an diesem Buch – abgesehen von den verwandten Metiers Ballett und Chor – keine andere Tätigkeit ein, bei der vierzig, achtzig oder einhundertfünfundzwanzig Menschen auf Zehntelsekunden genau gemeinsam etwas tun, beginnen oder beenden müssen! … dass wir es hier mit einem Metier zu tun haben, das im Prinzip eigentlich ‚unmöglich‘ ist, weil es vielen Elementen des menschliches Naturells widerspricht.“

Auch wenn es in diesem Buch um Berufsmusiker geht, trifft das aber auch in nicht geringen Teilen auf uns "Laien" zu. Musik ist Musik und Orchester ist Orchester, prinzipiell jedenfalls, und es ist über die Maßen faszinierend, dass und wie es klappt!

Nur haben die Hobby-Musiker einen Ausgleich gefunden, um die Arbeit gegen den "Widerspruch des menschlichen Naturells" – zumindest teilweise – zu kompensieren: Die "Probe" nach der Probe! Was wären die manchmal doch schon anstrengenden Proben ohne das "entspannte Zusammensein" im Anschluss – für manche soll es gar wichtiger sein als die Probe!

Sie haben richtig gelesen: anstrengend, ja! Ihr Schmunzeln ist quasi zu fühlen, aber rezitieren Sie mal eine Textpassage zehn, zwanzig Mal hintereinander, bis der Klang Ihrer Stimme oder das Vortragen eines Gedichtes Sie zufriedenstellt!

Sicher ist zunächst das "Probenlokal" wichtig hinsichtlich der Größe und der akustischen Gegebenheiten. Allerdings ist es umso besser, wenn das mit dem passenden "Drumherum" für das anschließende Beisammensein einhergeht!

Ideal hierfür war natürlich die Probenarbeit im Saal "beim Wert" – für Mundart-Fremde, Zugezogene und auswärtige Leser: "Wert" = Wirt = Gasthaus "Zum Adler", Braunshardt.

Wurde ganz am Anfang noch bei passendem Wetter im Freien geübt – es musste ja auch das Marschieren geübt werden – wurde anschließend viele Jahre im dazugehörigen Saal des Gasthauses geprobt und auch Konzerte veranstaltet, aber auch "Gemeinschaft gelebt". So manche Senioren-Musiker erzählen hiervon noch heute legendäre Geschichten und Begebenheiten.

Als im Jahr 1986 die neue Sporthalle in der Forststraße eingeweiht wird, wurden Kapazitäten im Sportheim am Fußballplatz in Braunshardt frei. Weil es immer öfter zu Überschneidungen zwischen Veranstaltungen und Übungsstunden im Adlersaal kam, entschloss man sich, das Sportheim für seine Zwecke umzubauen und im Januar 1987 dorthin umzuziehen.

Doch jetzt fehlte ja plötzlich der Service des zum Adlersaal gehörenden Gasthauses! Aber wen störte das schon, dann sorgte man eben selbst dafür! Die Zeit in diesem Probenlokal ist eng verbunden mit dem Namen Alfred Hamm. Es gab nichts, was er nach den Proben an "Naturalien" nicht organisieren konnte! Auch hier gäbe es von einigen – teils kaum zu glaubenden – Anekdoten an dieser Stelle zu berichten.

Heute sind wir in der glücklichen Lage, ein eigenes Vereinsheim nutzen zu können, in das man nach der Eröffnung 1995 einzog.